Life Cycle Management

Life Cycle Management


Produkte und Prozesse ganzheitlich betrachten


Früher war ein Produkt gut, wenn es seinen Zweck erfüllte und der Preis stimmte. Heute interessiert viele Kunden und Endverbraucher auch, wie nachhaltig ein Produkt ist, das heißt, welche Auswirkungen es auf Umwelt, Klima und Gesellschaft hat.

Für Evonik ist Nachhaltigkeit eines der ganz wichtigen Kriterien bei der Entwicklung neuer Produkte und Lösungen. Seit 2009 gibt es bei Evonik deshalb ein Team für Life Cycle Management (LCM), das die Forschung, aber auch das operative Geschäft und die Konzernzentrale mit ökobilanziellen Auswertungen unterstützt. So lassen sich die ökologischen Stärken und Schwächen von Produkten und Prozessen über den gesamten Produktlebenszyklus transparent machen und damit Chancen und Risiken für das Geschäft identifizieren. 

Das bei der Verfahrenstechnik angesiedelte LCM-Team wurde zusammen mit dem Science-to-Business-Center (S2B) Eco2 der Creavis gegründet. Das Eco2-Team trat mit dem Ziel an, dass jedes seiner Projekte fünf Jahre nach Markteinführung eine Einsparung von einer Million Tonnen CO2 erzielen sollte. Dazu brauchte es eine Methodik, die das LCM-Team entwickeln sollte. Es ging darum, schon zu Beginn eines Forschungsprojekts zu ermitteln, ob es Umweltvorteile bringt – ohne, dass zu diesem Zeitpunkt schon viele belastbare Daten vorliegen. Mit der Carbon Footprint-Estimation-(CFE) Methodik wurde ein geeignetes Instrument geschaffen, das sich rasch im Konzern durchsetzte.

Bald wurde die Methodik um weitere Nachhaltigkeitsaspekte erweitert, wie u.a. den Water Scarcity Footprint, der den Wasserverbrauch im Kontext der lokalen Wasserverfügbarkeit abbildet, den Nährstoffeintrag in Boden und Wasser, die Abfallproduktion und soziale Aspekte. Seit 2013 ist diese umfassende Nachhaltigkeitsanalyse fester Bestandteil der Ideen- und Projektbewertung bei der Creavis.

Neben Forschungsprojekten bewertet das LCM-Team auch existierende Produkte und Prozesse hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen. Etabliertes Instrument hierzu ist die Ökobilanz (englisch: Life Cycle Assessment, LCA). Inzwischen liegen für über 70 Prozent des Evonik-Geschäfts (Umsatzanteil) ökobilanzielle Betrachtungen vor. Der Anteil soll weiter gesteigert werden. 

Im einfachsten Fall erfolgt die Betrachtung von Werkstor zu Werkstor (englisch: Gate-to-gate). Hier werden die ökologischen Auswirkungen innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen bewertet. Entscheidend für die Aussagekraft ist in diesem Fall die möglichst genaue Erhebung der standortspezifischen Betriebsmedien wie Strom, Prozessdampf, Wasser, etc.

Komplexer ist die Analyse eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus (Cradle-to-grave). Die größten Umweltauswirkungen finden sich dann häufig bei den Rohstoffen oder während der Nutzungsphase der Produkte. Diese Daten müssen teilweise aufwändig recherchiert und/oder berechnet werden, was ein hohes Maß an prozesstechnischem Verständnis und IT-Kompetenz erfordert. Das LCM-Team spiegelt diese Anforderungen wider: Es setzt sich aus Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und IT-Spezialisten zusammen.

Eine besonders große Rolle spielt das Thema LCM in endverbrauchernahen Branchen und Märkten. Wie wichtig renommierten Herstellern von Konsumgütern die Nachhaltigkeit ihrer Rohstoffe ist, zeigt der Sustainability Award der Firma Henkel: Er wurde 2016 an Evonik für dessen kontinuierlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Produkt- und Projekt-Pipeline sowie herausragende Leistungen im Bereich LCA verliehen.

Ökobilanzen werden aber auch als aktives Marketinginstrument eingesetzt. Das ist zum Beispiel bei den Futtermittelaminosäuren für die Tierernährung der Fall. Hier kann Evonik seinen Kunden detailliert vorrechnen, wie sich durch Zusatz einer Aminosäuremischung der Rohproteingehalt im Tierfutter reduzieren lässt und wie das die Umweltauswirkungen der Nutztierhaltung verringert. 

Wenn es um die externe Kommunikation von Ökobilanzergebnissen geht, wie zuletzt für PLEXIGLAS®, dann unterstützt das LCM-Team zum Beispiel bei der Erstellung von Umwelt-Produkt-Deklarationen (EPD). Letztere sind im Bausektor besonders wichtig und werden häufig verwendet, um die Umweltwirkungen von Produkten zu vergleichen. 

Auch auf strategischer Ebene leistet das Instrumentarium des LCM-Teams einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen. Die Aufnahme in die renommierten Nachhaltigkeitsindizes Dow Jones Sustainability Index (DJSI) World und DJSI Europe zeigt unter anderem den Erfolg dieser Bemühungen.